Achsvermessung

Korrekte Einstellung ist wichtig

Die korrekte Einstellung der Achsgeometrie an Oldtimern sollte eigentlich kein Problem sein. Allerdings hören wir aus der Kundschaft in den letzten Jahren immer öfter, daß die Achsvermessung beim Reifenhändler trotz neuester Technik zu unbefriedigenden Resultaten führt.
Das liegt sicher nicht an der modernen und sehr genauen Achsmesstechnik, sondern eher an verloren gegangenem Wissen. Selbst wenn dem Bediener des modernen Achsmeßstandes die grundlegenden Zusammenhänge wie Radsturz, Nachlauf und Spur bekannt sind, scheitert er oft daran, diese Parameter an älteren Achskonsstruktionen einzustellen, die im fremd sind. (Genausowenig kann ein guter Mechatroniker einen Vergaser warten und einstellen.)

Aufgrund der beschriebenen Sachverhalte bieten wir seit einigen Jahren die Achsvermessung in unserem Hause an. Mithilfe unsere 4-Kopf Meßanlage stellen wir jede Abweichung sicher fest und können die Sollwerte zuverlässig einstellen.

Wichtige Vorraussetzung für die Achsvermessung sind:

  • Fahrwerksbuchsen an Vorder- und Hinterachse sind in einwanfreiem Zustand
  • Spurstangen sind spielfrei
  • Umlenkhebel der Lenkung ist spielfrei
  • Fahrwerksfedern sind nicht ermüdet oder gebrochen

Symptome für verstellte Achsgeometrie

  • Einseitiger Reifenverschleiß Innen oder Außen (durch falsche Spureinstellung, ausgeschlagene Spurstangen, ausgeschlagener Umlenkhebel der Lenkung, ausgeschlagene Traggelenke)
  • Schief ziehen bei Geradeausfahrt (Durch verschieden Nachlaufwerte, ausgeschlagene Fahrwerksteile, selten durch Karkassenverschiebung des Reifens)

Einstellwerte

PV 444/544 P121/122/220/1800 P142/144/145
Nachlauf : -3/4° bis +1/4° Nachlauf : 0° bis +1° Nachlauf : 0° bis +1° / ab Bj. ’74 1,5° bis 2,5° / Modelle mit Servolenkung 2° bis 3°
Sturz: -1/4° bis +1/2° Sturz: 0° bis +1/2° Sturz: 0° bis +1/2°
Spur: 12′ bis 24′ gesamt Spur: 12′ bis 24′ gesamt Spur: 12′ bis 24′ gesamt

Die Werte in der Tabelle oben sind empfohlen für die Standard Bereifung (165/80R15)
Durch die Verwendung breiterer Reifen und Felgen verschlechtert sich der Geradeauslauf, das Fahrzeug läuft vestärkt den Spurrillen auf der Autobahn nach. Generell hat man den Eindruck, am Lenkrad dauernd korrigieren zu müssen.
Eine Erhöhung des Nachlaufwinkels wirkt diesem Fahrverhalten entgegen, d.h. die Stabilität des Geradeauslaufes wird verbessert. Allerdings sind mit der Erhöhung des Nachlaufwinkels nicht nur Vorteile verbunden – die Lenkkräfte beim Kurvenfahren und Rangieren steigen nämlich an. Es gilt also den goldenen Mittelweg zu finden. Allgemein gültige Empfehlungen können wir hier allerdings nicht geben. Zu verschieden sind die Parameter wie Schwergängigkeit der gesamten Lenkung des Fahrzeugs , Lenkraddurchmesser etc.
Als grobe Richtlinie empfehlen wir bei Spurverbreiterung durch Tiebettfelgen mit Bereifung 195/65R15 oder breiter einen Nachlaufwert von 1,5° bis 2,5°. Werden die Lenkkräfte als zu hoch empfunden, sollte der Nachlaufwinkel wieder reduziert werden.
Alternativ kann auch die EZ-Powersteering nachgerüstet werden. Das Fahrzeug fühlt sich damit wesentlich handlicher an, die Lenkkräfte spielen hiermit keine Rolle mehr.
Hinweis: obige Anmerkungen gelten nicht für PV 444/544! Bei diesen Modellen ist der Nachlauf nicht einstellbar.

Bildschirm während der Achsvermessung eines Amazon. Nachlauf ist im grünen Bereich. Sturz und Spur müssen korrigiert werden.

Der Bildschirm oben zeigt ein Problem, daß durch Einstellung nicht zu korrigieren ist. Die ausgewiesene Radstandsdifferenz geht auf verbogene Fahrwerksteile zurück.